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"Für mehr Bürgernähe: Städte und Gemeinden stärken!"
Wolfgang Schuster vom Vorstand der SPD Lahn-Dill zum Kandidaten für den Nominierungsparteitag zur Landratswahl gekürt
Wolfgang Schuster, Driedorfer Bürgermeister und Vorsitzender der Kreis-SPD
Am 18.11.04 hat der Vorstand der SPD Lahn-Dill den Driedorfer Bürgermeister und Vorsitzenden
der SPD Lahn-Dill, Wolfgang Schuster, einstimmig zum Kandidaten für den Nominierungsparteitag zur Landratswahl im Jahr 2006
nominiert. Der Nominierungsparteitag findet am 11.02.05 in Wetzlar statt.
Aus diesem Anlass veröffentlichen wir ein Interview mit Schuster vom 19.11.04.
Interview mit Wolfgang Schuster, Kandidat für die Wahl des Landrates im Lahn-Dill-Kreis
im Jahr 2006
REDAKTION: Herr Schuster, Sie haben sich entschlossen, Ihren Hut für die Nachfolge von
Karl Ihmels als Landrat im Lahn-Dill-Kreis in den Ring zu werfen - wie man hört,
unter Beifall der SPD Lahn-Dill und der meisten Ihrer Bürgermeisterkollegen.
Was hat Sie zu diesem Schritt veranlasst?
Wolfgang Schuster: Wir brauchen einen Vertreter der kommunalen Seite an der Spitze des
Landkreises. Als Bürgermeister kenne ich die Nöte und Bedürfnisse der Gemeinden und
Städte im Landkreis.
REDAKTION: Sie haben sich schon häufiger für die Auflösung der Landkreise zugunsten
der Gemeinden einerseits und einer demokratisch direkt legitimierten Landesregionalstruktur
ausgesprochen. Das ist als Bürgermeister einer Gemeinde konsequent, wie aber verträgt
sich dies mit einer Kandidatur zum Landrat?
Schuster: Landkreise sind kommunale Zweckverbände. Sie existieren, um Aufgaben zu erledigen,
die eine Stadt oder Gemeinde allein nicht erfüllen kann. Wir können uns dauerhaft aber
nicht die vielen Verwaltungsebenen leisten. Die Städte und Gemeinden müssen gestärkt werden,
weil sie die naheliegenden Anlaufstellen für unsere Bürgerinnen und Bürger sind. Die Aufgaben
von Regierungspräsidien und Landkreisen müssen auf einer demokratisch legitimierten Ebene
zusammengeführt werden. Genau dies verfolgt die hessische SPD mit ihrem Regionalkonzept.
Wir Mittelhessen arbeiten dabei übrigens auf SPD-Parteiebene bereits sehr gut zusammen.
REDAKTION: Der Lahn-Dill-Kreis ist ja in den letzten Jahren häufiger wegen Konflikten
um die Durchsetzung einer abfallwirtschaftlichen Alternative zum DSD in die Schlagzeilen
geraten, in letzter Zeit ist es sehr ruhig um diese Frage geworden. Spielt das Thema für
Sie in Bezug auf die Zukunft des Lahn-Dill-Kreises noch eine Rolle?
Schuster: Abfallverwertung statt Abfallvernichtung war die Devise des Landrates und des
Landkreises. Das Konzept hat sich durchgesetzt und wird fortentwickelt. Die Abfallwirtschaft
im Lahn-Dill-Kreis ist auf Grund der erfolgreichen Umsetzung dieser Devise in ruhige
Bahnen gekommen.
REDAKTION: Sie sind einer der wortführenden Bürgermeister im Lahn-Dill-Kreis gegen die
Erhöhung der Kreisumlage, sogar von einer Klage gegen den Kreis ist die Rede. Wie wollen
Sie als Landrat mit der Problematik umgehen?
Schuster: Rappeln gehört zum Geschäft. Die Frage ist doch, wer welche Aufgabe am
wirtschaftlichsten erfüllt: Die Landkreise oder die Kommunen? Die finanzielle Lage
der Kreise haben Bund und Land zu verantworten. Die Kommunen dürfen durch ausufernde
Kreisumlagen aber nicht in der Substanz gefährdet werden. Schließlich sind die Kommunen
der Motor der Bauwirtschaft und brauchen auch das notwendige Kapital.
REDAKTION: Sie sind auch Vorsitzender der SPD Lahn-Dill-Kreis, die ja schon seit
einiger Zeit den Landrat und die Mehrheitsfraktion im Lahn-Dill-Kreis stellt. Welche
Zwischenbilanz würden Sie der SPD Lahn-Dill ausstellen?
Schuster: Wir haben ein harten Weg hinter uns. Mit der Einführung des kaufmännischen
Rechnungswesens und einer innovativen Abfallwirtschaftspolitik haben wir Vorbildliches
geleistet. Auch im Bereich der Familien-, der Schul- und der Sozialpolitik brauchen wir
uns nicht zu verstecken. Allerdings ist dabei die Außendarstellung zu kurz gekommen.
Daran wird gearbeitet.
REDAKTION: Herr Schuster, Franz Müntefering hat kürzlich die hessische Landesregierung wegen
der mangelhaften Mittelabfrage des Bundesprogramms für Ganztagsschulen kritisiert.
Wie sind diesbezüglich Ihre Erfahrungen als Bürgermeister und welches sind Ihre Vorstellungen
als möglicher zukünftiger Landrat?
Schuster: Die Bundesregierung stellt in den Jahren 2003 bis 2007 den Schulträgern über
die Bundesländer 4,2 Mrd. Euro zur Verfügung. Der Lahn-Dill-Kreis kann mit einer
Mittelzuweisung von mindestens 9,6 Mio. Euro rechnen. Davon kann auch die Westerwaldschule
meiner Gemeinde sowie 8 weitere Schulen im Lahn-Dill-Kreis profitieren. Müntefering hat
völlig recht. Es werden Investitionen in Höhe von 12,75 Mio Euro vom Land Hessen verschleppt.
Ohne Zustimmung des Landes können die Bundesmittel aber nicht abgerufen werden. Sollten die
Wählerinnen und Wähler mich zum Landrat wählen, werden ich mit meinen Landratskollegen Druck
auf die bildungspolitischen Hemmschuhe der Hessischen CDU ausüben.
REDAKTION: Herr Schuster, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg
für Ihre Kandidatur.
Kontakt:
Stephan Grüger
Vorstand für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
SPD Lahn-Dill
Tel.: 06151 / 970-2026 (d.)
Kurzvita Wolfgang Schuster:
Jahrgang 1958
Diplom-Verwaltungsbetriebswirt
Bürgermeister Driedorf seit 1996
Unterbezirksvorsitzender SPD Lahn-Dill seit 2001
Beruf: 1973 bis 1990: Deutsche Bundesbahn, mittlerer und gehobener nichttechnischer Dienst
1990 bis 1995: Büroleitender Beamter der Gemeindeverwaltung Driedorf
Hintergrund:
Die Landratswahl findet im Jahr 2006 statt. Es ist noch nicht klar, ob am gleichen
Termin mit den hessischen Kommunalwahlen oder später. Die Amtszeit des augenblicklichen
Landrats, Dr. Karl Ihmels, endet im November 2006. Ihmels steht auf Grund des Erreichens
der Altersgrenze für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung.
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