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SPD Lahn-Dill

"Sozialdemokratische Bildungspolitik wird konsensfähig"

Veranstaltung der SPD Lahn-Dill zum Thema Schulpolitik




Bildung und Erziehung sind der Schlüssel für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Hessens Schulen erleben aber gerade die Rolle rückwärts - back to the 50s: neue Hürden für einen chancengleichen Zugang zur Bildung, eine Ausdünnung der Schuldichte im ländlichen Raum!

Am Mittwoch (22.09.2004) diskutierten die Sozialdemokraten von Lahn und Dill in Wetzlar mit der Schulpolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Heike Habermann und dem hauptamtlichen Beigeordneten des Lahn-Dill-Kreises, Roland Wegricht über die aktuelle Situation an Hessens Schulen.

Anke Hartmann schilderte der Schulsituation nach den Sommerferien aus ihrer Sicht als Lehrerin. Sie berichtete von übervollen Klassen und fehlenden Lehrerstellen. So gäbe es an ihrer Schule 34 Schüler in einer sechsten Klasse. Kritische Wort fand Hartmann auch zum neuen Schulgesetz, dies behindere die Durchlässigkeit und die Förderstufen können den Wettbewerb kaum bestehen. Auch gebe es zu wenig echte Ganztagsschulen. "Kultusministerin Wolff steht in der Verantwortung. Der Bund hat seine Hausaufgaben gemacht", so Hartmann. Sie forderte ein Ende der ideologischen Grabenkriege und ein offenes Angebot und eine frühe Förderung. "Die Schule darf nicht kaputt gespart werden", resümierte Hartmann.

Heike Habermann rief den ca. 40 Teilnehmern der Veranstaltung nochmals die Ergebnisse der PISA-Studie ins Gedächtnis. Diese Studie kam bekannterweise zu dem Ergebnis dass der Bildungserwerb in Deutschland maßgeblich von der sozialen Herkunft abhängt und Kinder mit Migrationshintergrund zusätzlich Nachteile erleiden. Das Bildungssystem in Deutschland fördert zu wenig und zu spät. Die spätere IGLU-Studie ergab, dass 50% der Schulkinder nach der 4. Klasse in einer falschen Schulzweig verwiesen werden. Habermann warf der Hessischen Kultusministerin Karin Wolff vor, sie habe aus der PISA-Studie nichts gelernt. Die sogenannte "Anschlussfähigkeit" wäre nicht die von PISA geforderte Durchlässigkeit. "Die Querversetzung wird bis zum Ende der siebten Klasse ausgedehnt. Die Kinder sitzen also drei Jahre auf dem Schleudersitz. Ein schlechtes Halbjahr kann die ganze Schulkarriere verbauen", so Habermann. Außerdem seien die kooperative Gesamtschule und die Förderstufe sind mit dem neuen Schulgesetz so gut wie tot, "dabei sind dies exakt PISA-konforme Ansätze zur qualitativen Verbesserung der hessischen Schulen", kritisierte Habermann die Landesregierung.

Habermann unterstrich den - auch im Blick auf internationalen Vergleich - notwendigen Ausbau bei der Frühkindlichen Bildung. Hierzu seien ein Beitragsfreies letztes Vorschuljahr als ersten Schritt zu betragsfreien Kindertagesstätten, eine Aufwertung der Erzieherinnenausbildung und eine Kooperation zwischen Kindertagesstätten und Grundschulen erforderlich.

Die Landtagsabgeordnete forderte echte ("gebundene") Ganztagsschulen für Hessen. "Hessen macht kein Ganztagsschulprogramm. An 61 Schulen gibt es lediglich pädagogische Mittagsbetreuung, dies ist einfach zu wenig", so Habermann. Mit den Bundesmitteln für Ganztagsschulen würden zudem hauptsächlich Gymnasien gefördert. "Die Bundesmittel werden in Hessen in den Sand gesetzt. Wolff hat kein Interesse an gebundenen Ganztagsschulen". Zur Diskussion um die Länge der gymnasialen Ausbildung zeigte sich Habermann undogmatisch. 12 oder 13 Jahre bis zum Abitur seinen laut Habermann für die SPD kein Dogma, irgendwann müsse allerdings eine einheitliche Entscheidung fallen. Das Jahr dürfe aber nicht in der Mittelstufe und nicht um den Preis der Durchlässigkeit eingespart werden.

Der Hauptamtlicher Kreisbeigeordnete und Schuldezernent des Lahn-Dill-Kreises Roland Wegricht (SPD) konnte der Schulpolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag in fast allen Punkten beipflichten. Er wies ergänzend darauf hin, dass diese Ansätze inzwischen auch breite Unterstützung in der Wirtschaft erfahren, so auch von Seiten der Vereinigung Hessischer Unternehmerverbände (VhU). Dies läge daran, dass dort nüchtern und nicht ideologisch gedacht werde. "Ideologie wird vom hiesigen CDU-Vorsitzenden Hans-Jürgen Irmer gemacht, wenn er sagt, dass man nach dem vierten Schuljahr wissen muss wo das Kind hinpasst", so Wegricht. Die PISA- und auch die IGLU-Studie seien der Beleg für die Richtigkeit der sozialdemokratischen Schulpolitik. "Sozialdemokratische Bildungspolitik wird konsensfähig", fasste Wegricht seinen Beitrag zusammen.





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